Tanzpresse

Neulich auf der Meta-Ebene

Mette Ingvartsen zeigt „21 pornographies“ in der Volksbühne

(  30.03.2018 ) Schokolade und Ekel, Mette Ingvartsen lässt die Assoziationen gehörig zusammenkrachen. Gerade noch schilderte sie eine Szene angelehnt an Marquis de Sades „Die 120 Tage von Sodom“, in der Exkremente gegessen werden müssen, und schon animiert sie das Publikum dazu, eine unterm Sitz versteckte Praline zu vernaschen. Mette Ingvartsen gibt die Geschichtenerzählerin. Geschichten, die es in sich haben. Um Macht geht es, Spielarten sexualisierter Gewalt, bis hin zu Kriegsverbrechen neueren Datums. Mit kühler, fast aseptischer Präzision navigiert die Dänin, die  ... 

Eigensinnig im Dazwischen

Tanzfonds Erbe-Projekt zu Karin Waehner zeigt „Wegehen“ im DOCK 11

(  22.03.2018 ) Eine Diagonale. Von hinten links nach vorne rechts. Mehr braucht es nicht für Bruno Genty, Annette Lopez Leal und Michael Gross, um entlang dieser Achse ein intensives tänzerisches Miteinander zu verdichten. Sie driften immer wieder aus der Tiefe des Raums kommend vorwärts, hin zu einem Fluchtpunkt im Nirgendwo. Die Sequenz stammt aus „l´Exode“ und taucht tief ein in die Bewegungswelt von Karin Waehner, die das Stück 1986 choreografiert hatte. Karin Waehner ist eng mit einem großen Namen der Tanzgeschichte verbunden: Sie war Schülerin von Mary Wigman, de ... 

Hart am Wahnsinn

Gauthier Dance zeigt „Nijinski“ von Marco Goecke im Haus der Berliner Festspiele

(  31.01.2018 ) Es heißt, Waslaw Nijinski konnte bei einem Sprung in der Luft innehalten. Ein Tanzgott auf den Ballettbühnen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Eine tragische Figur im Leben, die früh in die Schizophrenie glitt. Gut ein Jahrhundert nach dem Skandalstück „Le Sacre du Printemps“, für das Nijinski die Choreografie geliefert hatte und das die Tanzgeschichte so nachhaltig prägen sollte, hat Marco Goecke sich der Ikone genähert: abendfüllend, feinnervig und überraschend nah an den Lebenslinien, ohne dabei die Biografie platt zu vertanzen. Rosario Guerra verkörp ...