Tanzpresse

Am Puls der Geschichte

Die Kompanie Israel Galván zeigt „Lo Real/ Le Réel/ The Real“ im Schauspiel Köln

Foto: Javier Delreal

(  27.06.14 )

Der Aufbau der Bühne im Depot 1 ist offen gestaltet und undekoriert. Es wird sofort deutlich, dass der Fokus des Abends auf dem Tanz und der Musik liegt. Im hinteren Bühnenteil sind die Musiker sichtbar, auch die Tänzer halten sich hier auf, bevor sie den Bühnenraum betreten. Israel Galván eröffnet den Abend mit einem Tanzpart, der seine Weiterentwicklung der Falmenco-Technik zeigt. Der Rhythmus ist das grundlegende Element, er wird hier aber auch mit den bloßen Füßen, im Liegen oder mittels eines Fingerschnippens gegen die eigenen Zähne erzeugt, er integriert differenzierte Arten der Bodypercussion. Das Ensemble um Galván hat sich mit Themen rund um die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti und Roma beschäftigt, deren Flamenco-Kultur gleichzeitig eine große Faszination ausübte und beispielsweise in Filmen von Leni Riefenstahl dargestellt wurde. In Soloparts zeigen Galván und die beiden Tänzerinnen Isabel Bayón und Belén Maya sehr unterschiedliche Auseinandersetzungen mit dem Thema. Sie verfangen sich in Seilen, die als eine Art Zaun über die Bühne gespannt werden, arbeiten immer wieder mit Gegenständen wie einem alten Klavier, Eisenstangen oder Holzkisten, die aber auch als Projektionsfläche für Filmausschnitte des Filmes „Canta gitano“ genutzt werden. Der von Natur aus stolze Flamenco erhält eine besondere Tiefe, indem mit seinen Mitteln Widersprüche und das Brechen dieses Stolzes erzählt werden. Trotz der zeitgenössischen Arten der Auseinandersetzung, die das Ensemble zeigt, wie z.B. die Offenlegung der genutzten Mittel, wird deutlich, dass Flamenco ein wichtiges traditionsreiches Kulturgut ist, mittels dessen Menschen Facetten ihrer Persönlichkeit ausdrücken. Die großartigen begleitenden Musiker und Sängerinnen werden in den Fokus gerückt, während Galván im Hintergrund die Rhythmusabteilung unterstützt. So schafft es die Kompanie, eine familiäre Atmosphäre in die große Halle zu tragen und erntet dafür Standing Ovations. /// Judith Ouwens 

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