Tanzpresse

Auf die australische Art

Das Bangarra Dance Theatre zeigt „OUR land people stories“ im Haus der Berliner Festspiele

Szene aus „Nyapanyapa“, Foto: Vishal Pandey

(  30.10.17 )

Ein Tanzimport von „Down Under“, welches Kolorit wird gleich die Bühne bestimmen? Diese Frage huscht noch schnell durchs Hirn, während sich auch schon die Konturen der Tänzerinnen aus dem Dunkel schälen. Klagelaute dringen aus dem Pulk, die nackte Haut trägt rote Spuren wie von Blut, in ihrer Mitte liegt leblos ein Männerkörper am Boden. „Macq“, der erste Teil des Abends, atmet zu Beginn mit drastischen und zugleich klaren Bildern die Themen Konflikt und Tod. Das Bangarra Dance Theatre ist eine indigene Tanzcompagnie, die seit ihrer Gründung im Jahr 1989 mit den Mitteln des zeitgenössischen Tanzes die Traditionen und die Geschichte der australischen Ureinwohner reflektiert. Eine Geschichte, die vor allem auch durchzogen ist von dunklen Kapiteln. So umkreist „Macq“ die Erinnerung an ein Massaker an Aborigines im Jahr 1816, bei dem der damalige britische Gouverneur Lachlan Macquarie eine unrühmliche Rolle spielte. Mit narrativem Furor breitet das von Jasmin Sheppard choreografierte Stück die Konfliktlinien zwischen Kolonialmacht und Ureinwohnern aus, verkörpert durch zwei unerbittlich miteinander ringenden Solisten. Der Tanz will hier vor allem eins: eine Geschichte erzählen und tritt dabei fast ein wenig in den Hintergrund.

Dafür entfaltet „Miyagan“ um so deutlicher den stilistischen Fingerabdruck der Formation aus Sydney. Das Bewegungsmaterial: hochdynamisch und gleichzeitig geerdet. In organischem Fluss lassen die Tänzer und Tänzerinnen immer wieder neue Bilder der Begegnung entstehen, die von der Geschichte der Clans im Wiradjuri Country erzählen. Beschirmt werden sie dabei von einem imposanten Gebilde, das aus rund 1000 Emu-Federn gefertigt wurde. Auch das letzte Stück „Nyapanyapa“ ist von schwelgender Visualität. Der Choreograf Stephen Page ließ sich von der Arbeiten der Malerin Nyapanyapa Yunupingu inspirieren und lädt das Publikum zu einem Kopfsprung in eine mystisch aufgeladene Traumwelt ein, durch die allerhand Fabelwesen tollen. Bangarra bedeutet so viel wie „Feuer machen“. In Berlin hat die Compagnie im Rahmen ihres Gastspiels zum australischen Kulturjahr „Australia Now“ beeindruckende Funken geschlagen. /// Annett Jaensch

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