Tanzpresse

Bausteine des Erinnerns

HELD von Melanie Lane und Morgan Belenguer im DOCK 11

Foto: Kirsten Seeligmüller

( CG 09.04.09 )

Geschmeidige Bewegungen der zwei Tänzer, animalisch-elegant wie Katzen, treffen auf hartes Material des Bühnenbildes. Auf der obligatorischen Leinwand schleicht eine Raubkatze hinter Gittern und lässt den Panther bei Rilke assoziieren. Wie in dem Gedicht von Rilke “Der Panther” sind Melanie Lane und Morgan Belenguer gefangen, tanzen um eine Mitte im engsten Raum - machtlos dem Mechanismus des Erinnerns ausgesetzt. In ihren Bewegungen liegt eine schwermütige Rastlosigkeit, als könnten sie sich mit ihren Erinnerungen nicht abfinden. Holz und Stein: Immer wieder schieben sie diese harten Materialien hin und her. Das Podest verändert seine Formen und in verschiedenen Konstruktionen werden die Platten und Steine stets aufs Neue zusammengesetzt, wodurch sich ihre Umgebung unmittelbar verändert. Als wären die Tänzer ebenfalls diesen Veränderungen ausgesetzt und hätten jene nicht selbst initiiert, steigert sich die Choreografie über Ungeduld ins Aggressive und kehrt zurück zur anfänglichen Unsicherheit. Melanie Lane tanzte u.a. beim Tanztheater Osnabrück und arbeitet zum zweiten Mal mit Morgan Belenguer zusammen. Belenguer arbeitete u.a. als Choreografie-Assistent beim Stuttgarter Ballett und als Tänzer bei Marco Santi. Berenguer und Lane haben ein starkes Künstlerteam für Held zusammengesucht. Die Geräuschkulisse von CLARK ist ein verstörendes Rauschen und steht in Diskrepanz mit dem Video von Timo Schierhorn. Dort sind biedere  Einfamilienhäuser in Reih und Glied in Vorstadtidylle zu sehen. Durch Fabian Bleischs surreales Lichtdesign flirren filigrane Hände, die den Anschein erwecken, konstant auf der Suche nach irgendetwas Greifbarem zu sein, und irren Blicke, die wirken als registrierten sie nur selten die Außenwelt. Das alles fließt zu einer ausdrucksstarken Gesamtheit zusammen, die durch ihre Dynamik besticht und einen spannenden Abend ergibt.

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