Tanzpresse

Ein höllischer Trip

Tanz im August: La Veronal mit „Voronia“ in der Schaubühne

Foto: Vitali Wagner

(  31.08.15 )

Gigantische Fahrstuhltüren aus Stahl, die sich immer wieder öffnen und Menschengruppen ausspucken oder verschlucken, merkwürdig ineinander verhakelt, sich aneinander klammernd, als suchten sie in der Abwärtsbewegung Halt. Der Fahrstuhl geht abwärts - niemals aufwärts - in die tiefstgelegene Kaverne der Welt: die Krubera Voronia Höhle in Georgien. Dies ist die geografische Inspirationsquelle des spanischen Choreografen Marcos Morau, aus der er sein Tanzstück „Voronia“ spinnt. Unten in der Höhle – als allegorischem Höllenort – erwartet den Zuschauer die unpersönliche Foyeratmosphäre eines luxuriösen Hotels, wo sich die Bediensteten hingebungsvoll mit dem Säubern des roten Teppichs und dem Richten einer zum Bankett gedeckten Tafel beschäftigen, bis sie sich unvermutet setzen und sich plötzlich zu einer durch die Erwartung des Festaktes miteinander verbundenen Gemeinschaft verwandeln. Das Warten auf ein Ereignis, eine Art Erlösung, die niemals eintrifft, mutiert zu dem eigentlichen Festakt, dem die Figuren nur entfliehen können. Die Tänzer brechen immer wieder aus, in einem Konglomerat aus zuckenden und fiebrig verrenkten Gelenken, umrahmt von Choralgesängen und getragener pathetischer Musik von Verdi bis Wagner. Mönche in langen Kutten prozessieren wahlweise über die Bühne, als versuchten sie ihr schlechtes Gewissen zu besänftigen, weil die Welt in Flammen steht. Opulente Bilder, starke Bilder, mitunter beunruhigend, so auch das Bild eines von OP-Ärzten umringten Patienten in tiefem Koma - das alles vibriert auf der Netzhaut, immer wieder. Jedoch erfährt der tänzerisch choreografische Aspekt des Abends keine wirklich überraschende Entwicklung, obwohl die Choreografien sehr präzise gearbeitet sind, die Duette und Trios von eleganter Dynamik, bleibt die Arbeit mit der Musik flach und wenig differenziert, sodass am Ende die starken Bilder zwar bleiben, aber sich leider in einer Ausdruckslosigkeit manifestieren, die vielleicht auch die gewollte Aussage bleibt: Die Weltreligionen haben keine Kraft mehr, die Menschen zu bewegen./// Michaela Brzezinka

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