Tanzpresse

Einmal Tänzer, immer Tänzer

Tanz im August: Dance On Ensemble mit „Those specks of dust“ und „7 Dialogues“ im HAU 1

Szene aus ”Those specks of dust“; Foto: Dorothea Tuch

( AJ 23.08.16 )

Es ist so eine Sache mit Erinnerungen. Manchmal rutschen sie in Verklärung ab oder driften in vage Beliebigkeit. Im Verlauf von „Those specks of dust“ mischt sich dieser Eindruck ins Dargebotene. Dabei ist die Grundidee hinter der Arbeit von Kat Valástur spannend: Der Prozess des Tänzerwerdens soll erinnert, die Faszination und Überraschung über den tanzenden Körper wieder erfahrbar werden. So zumindest verrät es das Programmheft. Ein durchaus naheliegender Arbeitsfokus für das Dance on Ensemble. Im Jahr 2015 auf Initiative der gemeinnützigen Kulturorganisation Diehl+Ritter gegründet, will das Projekt Tänzern über 40 eine Bühne bieten. Denn künstlerische Reife und Expressivität haben kein Verfallsdatum, wie schon das renommierte NDT 3, der Ableger des Nederlands Dans Theaters für „Tanz-Senioren“, immer eindrucksvoll vorführte. „Those specks of dust“ als Teil der „Dance On 1. Edition“ trägt eigentlich alle Zutaten für einen gelungenen Tanzabend in sich. Das Miteinander kommt dann aber über den Eindruck einer Fingerübung nicht hinaus. Zu fragmentarisch wirkt, wie die Tänzer*innen den Raum durchmessen, wie ihnen beim Blick auf ihre Körper immer wieder ein staunendes „Wow“ entfährt und wie akustische Verzerrungen ein ums andere Mal die Zeit zu stauchen scheinen. Die charmanteste Szene ereignet sich am Ende, als die Fünf gemeinsam eine Ballettstange zur Bühnenrampe tragen. Viel Leichtigkeit und Teamspirit scheinen für Momente durch.

Als deutlich rundere Angelegenheit stellt sich die Arbeit „7 Dialogues“ dar, die im Anschluss zu sehen war. Denn hier entfalten sich mit dem Komponisten Matteo Fargion am Piano porträthafte Blicke auf sechs Tanzpersönlichkeiten. Die Soli, allesamt in Tandems mit anderen Kunstschaffenden entstanden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Christopher Romans Part (in Zusammenarbeit mit Ivo Dimchev) etwa kommt als Art queere Lebensbeichte daher, getanzt in Unterhose, blonder Perücke und knallrotem Lippenstift; Brit Rodemund (Lucy Suggate sekundierte) gibt sich einem konzentrierten Zwiegespräch mit Bewegungssprachen hin und Amancio Gonzalez (mit Hetain Patel) balanciert auf dem Drahtseil der Parodie, wenn er im schwarzen Ganzkörperdress dem Publikum verklickern will, was Tänzer eigentlich mit ihrem Körper sagen wollen. Ironie, Spiellust und exzellente Körperbeherrschung, das alles werfen die Tänzer*innen in „7 Dialogues“ gekonnt zusammen. Man darf in jedem Fall gespannt sein, mit welcher künstlerischen Färbung das Dance On Ensemble sich in den kommenden Produktionen zeigen wird. /// Annett Jaensch

< Pistolen, Bibeln, Cha Cha Cha