Tanzpresse

Flamenco mit Tiefgang

TANZ IM AUGUST: Israel Galván mit “Solo” im Radialsystem

Foto: Retrato Sanfulgencio

( JG 04.09.09 )

Schon am Anfang seines Solo-Stückes macht Israel Galván klar, dass man von ihm keinen traditionellen Flamenco zu erwarten hat. Mit kräftiger Beinarbeit lässt er aus einem Kiesbett hinter der Bühne die Steine spritzen, nutzt eine Mauernische, um im Liegen zu tanzen, sowie eine Säule, um ihr mit Händen und Füßen rhythmische Klänge zu entlocken. Auf dem Tanzboden entfaltet er dann zwar die typischen torero- bzw. vogelartigen Flamenco-Posen, zieht sie jedoch nicht in aller Strenge durch, sondern lässt sie oft auf halbem Wege auslaufen oder verflicht sie mit Zitaten aus dem modernen Tanz. Man spürt in ihm den Duende, den Flamenco-Geist, er hat auch das Stolze, Erhabene dieser tänzerischen Tradition, doch ist er sehr viel geschmeidiger in seinen Bewegungen und interpretiert nicht puristisch, sondern humorvoll, ja ironisch, mit einem intellektuellen Augenzwinkern. Galván arbeitet hochkonzentriert und ausdrucksstark; man hat das Gefühl, er tanze für jeden Einzelnen der Zuschauer; man möchte mitgehen mit seinem Rhythmus, den er nicht nur wie üblich mit Fußarbeit und Fingerschnipsen, sondern auch mit Zungenschnalzen, Summen, Stöhnen oder Finger-an-die-Zähne-Klopfen markiert. Interessant auch das Klangmotiv eines vorsichtig über den Boden gezogenen Stuhls. Innovative Bühnenelemente sind darüber hinaus die beiden aus Gipsstaub bzw. Sand geformten Quadrate, die Galván mit ebenso virtuosem Engagement aufwirbelt wie den konventionellen Flamenco.

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