Tanzpresse

Lustvolle Drift ins Ungefähre

WILHELM GROENER zeigen „D.R.A.G.“ in den Uferstudios

© WILHELM GROENER

(  26.10.18 )

Eine Tasse ist eine Tasse ist eine Tasse. Oder doch nicht? Im Spotlight begrüßt ein übergroßes Exemplar das Publikum in verschwörerischer Dinghaftigkeit und schnell ist klar: Hier wird gleich die Objektivität aufs Glatteis geführt. Für „D.R.A.G.“ haben der Tänzer Günther Wilhelm und die Bildende Künstlerin Mariola Groener ein performatives Geflecht aus vier Teilen erdacht, das die Wandlung von Wirklichkeiten untersuchen will. Klingt nach sprödem Theoretisieren, entpuppt sich aber wie so oft bei dem Kreativduo als Wundertüte überraschender Einfälle und des Subtilen. Nachdem der erste Teil „Dingus“ samt seiner Gegenstände uns Subtexte zugeraunt hat, tut sich in „Realities“ eine Art Laborsituation auf, die Mariola Groener als enigmatische Zeremonienmeisterin visuell und akustisch bespielt. Der Wechsel in einen zweiten Bühnenraum katapultiert in eine gänzlich andere Atmosphäre: „Android-Animal“ empfängt in eine Spiegelwelt, aus der jede Farbe gewichen ist und das von einem Häuflein entseelter Mensch-Maschinen bevölkert wird. Ein Setting fremd wie Mondgestein, aus der das Transhumane grüßen lässt. Mit „Group“, dem vierten und letzten Teil, schwingt sich der Abend dann schließlich zum performativen Showdown auf. Wenn sich das Ensemble zu einem virtuosen Ballett auf leise durch den Raum surrenden E-Boards verzahnt, fahren Reflexionen zum Wesen von Gemeinschaften mit. Die lustvolle Drift ins Ungefähre, WILHELM GROENER beherrschen sie meisterlich. /// Annett Jaensch

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