Tanzpresse

Maschinenöl als Kulisse

Company Vivienne Newport mit "fragments of a time still passing" im Tresor.Modern

Foto: Walter Bickmann

( MB 06.09.09 )

Der Gegensatz des großen milchig schimmernden Ballons vor bentonstarrender, maschinenölriechender Halle ist wunderbar, weil er an einen sentimentalen Vollmond in grauer trister Vorstadt denken lässt. Vivienne Newport wählte für ihre Choreografie eine ehemalige Fabrikhalle über dem Tresor-Club in der Köpenicker Straße, die visuell nicht nur imposant mit all den Betonträgern und weggerissenen Abgrenzungen, sondern akustisch zum Teil überwältigend gut ist. Berliner lieben neue Orte, wo sich Künstler hin verirren, um sich von ihnen inspirieren zu lassen. „Tresor.Modern“ klingt in Kombination mit Ex-Solotänzerin Tänzerin von Pina Bausch aufregend, weil er an einem für Tanzvorstellungen ungewöhnlichen Ort passiert. In der imposanten Präsenz des industriellen Überbleibsels lässt Newport in Fragmenten ihre fünf Tänzer über eine verflossene Zeit sinnieren. Es sind ausdrucksstarke Darsteller, die dem Raum immer wieder andere Dimensionen durch ihre Körperpräsenz verleihen und neue Atmosphären entlocken. Geschickt gehen sie mit den Menschen um, die sich frei im Raum platzieren und bei einem Ereignis neu formieren. Allzu schnell verpufft allerdings die Grandiosität des Überdimensionalen, und zurückbleiben leider scheinbar beliebig improvisierte Texte, die keinen Sinn ergeben wollen und zum Teil nicht gut gesprochen sind. Es ist ein Tanz vor cooler Kulisse.

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