Tanzpresse

Nachwuchstalent

PACT Zollverein feiert die Spielzeiteröffnung mit der Uraufführung „Faits et Gestes“ von Noé Soulier

Foto: Ursula Kaufmann

(  07.10.16 )

Der Bühnenraum ist groß und kahl, drei Tänzer und eine Tänzerin betreten den Raum. Anna Massoni eröffnet den Abend mit den ersten Bewegungsphrasen. Sie wirft etwas Imaginäres in Richtung Publikum, sie kickt etwas weg, springt, sie weicht aus. Schnell entstehen tänzerische Dialoge oder Gruppensequenzen, in denen sich die Bewegung zweier oder mehrerer Tänzer synchronisieren. Diese Sequenzen dauern manchmal nur wenige Sekunden und die Wege trennen sich wieder. Die Bewegungssprache ist sehr differenziert, alle vier sind ausdrucksstarke Performer. Das Bewegungsmaterial ist gesetzt, doch die Tänzer improvisieren mit der Reihenfolge, den Abständen zueinander und der Orientierung im Raum, erfährt man aus dem Programmheft. Zeitweise wird die Performance von Barockmusik (Froberger, Bach) begleitet, sonst herrscht Stille. Gekonnt werden die Sätze und einzelnen Stimmen der Musik durch Bewegung aufgegriffen. Gesten werden verbunden, Abfolgen wiederholt. Manchmal sind die Gesten nicht identifizierbar, dann wieder leicht zu lesen. Die angekündigte Übertragung auf das Publikum bleibt jedoch aus, das Bühnengeschehen wirkt kühl, wie eine Versuchsanordnung. Als sie beginnen verstärkt mit Mimik zu spielen, gewinnt das Stück deutlich, sie suchen Blickkontakt, ihre Blicke fragen, erklären, sie lachen. Die Gesten werden kleiner, intimer, sie streicheln, sie zeigen, sie fallen. Das ist interessant zu beobachten, doch auch das ist eher eine Studie, was könnte mit diesem Material noch geschehen? Sichtbar werden ein ausgeprägter Forschungsdrang und die Fähigkeit, Möglichkeiten von Bewegung sehr genau auszuloten und diese ganz pur zu zeigen. Da ist jede Menge Potential, uns erwartet bestimmt eine spannende Entwicklung dieser choreografischen Handschrift. /// Judith Ouwens

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