Tanzpresse

Nur die Posse zählt

Felix Marchand mit „Premiere“ im Dock 11

Foto: Ayara Hernandez Holz

(  19.03.16 )

Hat man schon mal über den Humorgehalt von Farben nachgedacht? Cyan hätte gute Chancen auf einen Spitzenplatz, zumindest wenn Felix Marchand in seinem himmelblauen Anzug ins Dock 11 bittet. „Premiere“ firmiert als Stand-up-Tanzperformance und ist vor allem eins: eine Übung in Minimalismus. In einer Ecke strahlt ein einsamer Scheinwerfer bunte Flecken an die Wand. Ein paar Bühnenutensilien stehen herum und ansonsten: Felix Marchand pur. Inspiration für den Sprung ins absurde Fach holte sich der Berliner Choreograf bei Humor-Anarchisten wie Helge Schneider oder Andy Kaufman. Der sagte einmal, er habe in seinem Leben keinen einzigen Witz erzählt, trotzdem galt er als begnadeter Alleinunterhalter. Auch Marchand haut in die Kerbe von schrägem Wort- und Bewegungsentertainment. Er tändelt durch den Raum, groovt urplötzlich los, als hätte er seine Kniegelenke zu Hause gelassen. Auch wenn nicht immer jeder Einfall zündet, wie er verdruckst, umständlich und charmant die Zuschauer umgarnt, ist sehenswert. Der Titel „Premiere“ ist übrigens aus einem Grund gewählt: Das Aufeinandertreffen mit dem Publikum soll jedes Mal aufs Neue eine taufrische Begegnung werden. /// Annett Jaensch

weitere Vorstellungen: 21. und 28.03.2016, jeweils 19 Uhr im Dock 11, Kastanienallee 79

http://www.dock11-berlin.de

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