Tanzpresse

Tanz für die Ohren

Christoph Winkler mit „Saal A“ in den Sophiensaelen

Foto: Dieter Hartwig

( AG 31.03.09 )

Christine „Joy“ Ritter, philippinischer Abstammung, Eugene „U-gin“ Boateng aus Ghana und Marie-Lydie Nokouda, die aus Kopenhagen kommt, erzählen und tanzen ihre persönlichen Tanzbiografien, die sich im HipHop kreuzen. Was die drei sehr unterschiedlichen Akteure auf die Bühne bringen, soll die Zusammenstellung von Bewegung im Produkt Tanzstück beleuchten und hinterfragen. Das persönliche Bewegungsmaterial der Tänzer wird hier als Ausgangspunkt genutzt, um eine tänzerisch abwechslungsreiche, von viel Sprache durchsetzte Performance zu kreieren. Christoph Winkler, seit über 10 Jahren anerkannter freischaffender Künstler in Berlin und international, führt die Zuschauer durch die freie Welt des Tanzes, ungeahnte Einblicke in stilistische Zusammenhänge gebend, und löst damit Lern- und Aha-Effekte nach anfänglicher Befremdung im Publikum aus. Marie, vertieft in ihren House Dance, kennt Mary Wigman nicht, obwohl ihre Bewegungen stark an sie erinnern, Joy ist beim Prix de Lausanne trotz guter Ausbildung disqualifiziert worden und U-gin ist siegreich von Battle zu Battle gezogen. Street Dance, klassisches Ballett, afrikanische und philippinische Traditionen bahnen sich ihren Weg und würden den Zuschauer vollends mit sich reißen, wenn mehr Bewegungsmaterial als nur das abschließende Solo von Joy auf die Bühne gekommen wäre. Schön positionierte, ihre langen Arme und schmalen Hände betonende Ports de bras werden durch geflexte Füße und sukzessiv den ganzen Körper erfassende Bewegungen, die schließlich in spastisches Zucken übergehen,   durchbrochen. Endlich, wenn auch nur kurz, konnte man sehen, wovon Winkler fast die ganze Zeit nur erzählen ließ.

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