Tanzpresse

Willkommen in der Therapie

Wiederaufnahme: Gob Squad mit „Dancing about“ im Roten Salon der Volksbühne

Foto: Gob Squad

(  15.04.16 )

Mit dem Ziel einer kollektiven Tanztherapie tritt Gob Squad in „Dancing about“ an. Das Spiel ist einfach: Ein Performer sagt etwas in ein Mikro, wie z.B. „We pretend to know what people are talking about, just to keep the conversation going“, danach beginnt er zu tanzen. Die Übrigen machen nach, was er vormacht, wenn sie mit dem Gesagten übereinstimmen. Als beobachtende Instanz wird eine Gottesanbeterin im Glaskasten direkt vor das Publikum gestellt, ihr erzählen die Kollektivmitglieder ihre Geheimnisse und ihr gehört das letzte Wort der Performance. Es werden Selbstoffenbarungen über die Anzahl der Sexualpartner, den alkoholkranken Vater und das Verhältnis zu den eigenen Exkrementen getätigt. Mit manchen Statements bleiben die Performer allein, dann therapieren sie sich mit einem kleinen Solo vom Erzählten. Zu beobachten, wer nach welcher Aussage den Bühnenraum betritt, macht Spaß, vermeintlich erfahren wir, wer in Therapie war, wer abgetrieben hat, wer regelmäßig das Fitnessstudio besucht. Es wird geboxt, gekickt und auf dem Boden gerobbt, es geht bloß um das physische Ausagieren, darum sich zu verlieren, nicht um das Erreichen eines Ausdrucks mit tänzerischen Mitteln. Mit Hilfe von Projektionen und interessant gewählten Kameraperspektiven gelingen surreale Bilder, wie der Phantasiewelt eines Kindes entsprungen, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Der Abend ist amüsant, aber nur an wenigen Stellen mutig. Meistens bleibt es ein oberflächliches Kratzen am Thema der menschlichen Eigenarten. Abschließend kann die Gottesanbeterin nur feststellen, dass Menschen komische Tiere sind, die sie lieber aus der Ferne beobachtet. /// Judith Ouwens (Erstveröffentlichung: 27.03.2013)

weitere Vorstellungen: 15.04./ 13./14.05.2016 jeweils 21 Uhr im Roten Salon der Volksbühne Berlin

 

www.volksbuehne-berlin.de/praxis/dancing_about/

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